Rettung der Internationale?

Die Gegnerinnen und Gegner der Kriegskredite formieren sich

Schon unmittelbar nach der Bewilligung der Kriegskredite hatten sich in der Wohnung Rosa Luxemburgs enttäuschte Sozialdemokraten getroffen. Mit der Zeit stießen weitere Kriegsgegner hinzu. Das Ziel der Gruppe um Luxemburg, Karl Liebknecht, Hermann und Käte Duncker, Clara Zetkin und anderen war es, den Krieg zu beenden und die Sozialistische Internationale aufrechtzuerhalten. Dazu verabredeten sie, die Kontakte zu Sozialistinnen und Sozialisten im nun – nach offizieller Lesart – feindlichen Ausland weiter zu pflegen und gemeinsam gegen den Krieg zu agitieren. Aus dieser »Gruppe Internationale« entwickelte sich ab 1916 die »Spartakusgruppe« und ab 1918 der »Spartakusbund«. Am Freitag, den 18. September 1914, notierte Arthur Crispien:

»Besprechung in Frankfurt a.M. Teilnehmer: Rosa Luxemburg, Karl Liebknecht (Berlin), Dr. Paul Lewi [Levi], [Robert] Dissmann (Frankfurt a.M.), [Friedrich] Schnellbacher, Dr. [Georg] Wagner (Hanau), Peter Berten (Düsseldorf), C. [Karl] Minster (Duisburg), Crispien (Stuttgart). Beschlossen, Verbindungen anzuknüpfen und die Rettung der Internationale vorzubereiten, die Schmach von der zertrümmerten Internationale zu tilgen.«[1]

Schon am Vortag hatten Crispien, Luxemburg und Liebknecht beschlossen, am 21. September 1914 in Stuttgart eine Parteiversammlung »Gegen die Annektionshetze!« zu organisieren. Diese wurde allerdings vom militärischen Generalkommando verboten. Crispien wurde offiziell mit Zwangsmaßnahmen und Strafe gedroht, wenn er weiterhin in Vorträgen, Versammlungen, Abhandlungen oder auch nur Inseraten die »Interessen des Reiches schädigen« würde.[2]

Käte und Hermann Duncker um 1900. Beide zeichneten sich vor dem Krieg durch rege Vortragstätigkeiten für die Sozialdemokratie aus. Nach dem 4. August 1914 schlossen sie sich der linken innerparteilichen Opposition um Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht an. Quelle: Archiv der sozialen Demokratie der Friedrich-Ebert-Stiftung, 6/FOTA040305.

Käte und Hermann Duncker um 1900. Beide zeichneten sich vor dem Krieg durch rege Vortragstätigkeiten für die Sozialdemokratie aus. Nach dem 4. August 1914 schlossen sie sich der linken innerparteilichen Opposition um Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht an. Quelle: Archiv der sozialen Demokratie der Friedrich-Ebert-Stiftung, 6/FOTA040305.

[1] Tagebucheintrag vom 18.9.1914, 1/ACAA000006, Nachlass Arthur Crispien, Archiv der sozialen Demokratie der Friedrich-Ebert-Stiftung.
[2] Einträge vom 17.9., 21. 9. und 25.9.1914, ebd.

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