Feldpostbriefe

Briefe von der Front enthalten Friedensrufe

Die Feldpost war die wichtigste Verbindung zwischen Heimat und Front. Feldpostbrief eines Beamten der Feldpost in der »Volksstimme« (Magdeburg) vom 16. Dezember 1914.

Die Feldpost war die wichtigste Verbindung zwischen Heimat und Front. Feldpostbrief eines Beamten der Feldpost in der »Volksstimme« (Magdeburg) vom 16. Dezember 1914.

Von Kriegsbeginn an wurden in den Zeitungen des Kaiserreichs Auszüge aus den Feldpostbriefen der Soldaten an den Fronten veröffentlicht. Die Feldpost unterlag der Militärzensur. Diese achtete insbesondere darauf, dass keine kriegstaktischen oder die Moral schwächenden Passagen verbreitet wurden. Mit diesen Einschränkungen wurden persönliche Schilderungen der Kriegserlebnisse weitgehend gestattet. Neben Darstellungen von heroischen Kampfhandlungen und dem Alltag im Feld fanden so auch vereinzelt Berichte vom Grauen des Kriegs ihren Weg in die Heimat. Der Verdruss gegen den Krieg schien besonders unter den sozialdemokratischen oder ihr nahestehenden Soldaten zu wachsen.[1] Immer häufiger drückten sie in kurzen Sätzen ihren Wunsch nach baldigem Frieden, einem Ende der »Menschenschlächterei« oder gar Kritik an den »Anstiftern« des Völkermordens aus:

»Wie zufällig klingt´s mir ironisch in den Ohren: ›Der Krieg ist herrlich, der Krieg ist schön.‹ Käme mir der Schreiber dieser Zeilen einst zu Gesicht, ich wollt ihm seine Theorie austreiben.« (Dezember 1914)
»Auf Grund meiner Betrachtungen hier kann ich Euch versichern, daß unter den seinerzeit aus dem Kriege heimkehrenden Soldaten hunderttausende feuriger Apostel des Friedens sein werden.« (Dezember 1914)[2]
Französische und deutsche Soldaten teilen sich Schafe. Auszug eines Feldpostbriefs mit Friedenswunsch aus der »Volksstimme« (Magdeburg) vom 9. Dezember 1914.

Französische und deutsche Soldaten teilen sich Schafe. Auszug eines Feldpostbriefs mit Friedenswunsch aus der »Volksstimme« (Magdeburg) vom 9. Dezember 1914.

»Feldpostschreibstuben« halfen den Angehörigen in der Heimat beim Verfassen und richtigen Versenden der Post ins Feld. Ausschnitt der »Volkswacht« für Schlesien, Posen und die Nachbargebiete vom 2. November 1914.

»Feldpostschreibstuben« halfen den Angehörigen in der Heimat beim Verfassen und richtigen Versenden der Post ins Feld. Ausschnitt der »Volkswacht« für Schlesien, Posen und die Nachbargebiete vom 2. November 1914.

Mit der Feldpost wurden auch »Liebesgaben« aus der Heimat an die Front gesendet. Das konnten kleine Süßigkeiten, aber auch größere Geschenke sein. Anzeige des Kaufhauses Rudolph Karstadt aus dem »Lübecker Volksboten« vom 15. Januar 1915.

Mit der Feldpost wurden auch »Liebesgaben« aus der Heimat an die Front gesendet. Das konnten kleine Süßigkeiten, aber auch größere Geschenke sein. Anzeige des Kaufhauses Rudolph Karstadt aus dem »Lübecker Volksboten« vom 15. Januar 1915.

Improvisierte Feldpoststelle in einer Kirche in Mi[e]runsken (ehem. Ostpreußen). Bild aus der Publikation Wilhelm Düwell, Kriegsberichte aus Ostpreußen und Rußland 1914, Berlin 1914, S. 129 (zugeschnitten); digitalisiert von der Staatsbibliothek zu Berlin – Preußischer Kulturbesitz. Rechte: CC BY-NC-SA 3.0 DE.

Improvisierte Feldpoststelle in einer Kirche in Mi[e]runsken (ehem. Ostpreußen). Bild aus der Publikation Wilhelm Düwell, Kriegsberichte aus Ostpreußen und Rußland 1914, Berlin 1914, S. 129 (zugeschnitten); digitalisiert von der Staatsbibliothek zu Berlin – Preußischer Kulturbesitz. Rechte: CC BY-NC-SA 3.0 DE.

[1] Vgl. Wolfgang Kruse, Krieg und nationale Integration. Eine Neuinterpretation des sozialdemokratischen Burgfriedensschlusses 1914/15, Essen 1994, S. 184ff.
[2] Diese und weitere Auszüge aus Feldpostbriefen, die in sozialdemokratischen Zeitungen wiedergegeben wurden, finden sich abgedr. in: ebd., S. 185ff.

Links zu den Quellen: »Volksstimme« (Magdeburg) vom 9. Dezember 1914 und vom 16. Dezember 1914, »Volkswacht« für Schlesien, Posen und die Nachbargebiete vom 2. November 1914 und »Lübecker Volksbote« vom 15. Januar 1915.

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