»Der Krieg und die Frau«

Sozialdemokratin Wally Zepler sieht die Zeit für eine Gleichberechtigung der Geschlechter gekommen

Postkarte des Nationalen Frauendienstes Frankfurt am Main 1914. Quelle: Pictura Paedagogica Online, Bildarchiv zur Erziehungsgeschichte, Universität Hildesheim, http://www.bbf.dipf.de/cgi-opac/bil.pl?t_direct=x&f_IDN=b0082777hjld.

Postkarte des Nationalen Frauendienstes Frankfurt am Main 1914. Quelle: Pictura Paedagogica Online, Bildarchiv zur Erziehungsgeschichte, Universität Hildesheim, http://www.bbf.dipf.de/cgi-opac/bil.pl?t_direct=x&f_IDN=b0082777hjld.

Am 11. November 1914 erschien in den »Sozialistischen Monatsheften« ein Artikel der Berliner Sozialdemokratin Wally Zepler über die Rolle der Frauen im Krieg. Zunächst lobte sie die Beteiligung von Sozialdemokratinnen im »Nationalen Frauendienst«. Dieser führte unter anderem Schulungen für die Haushaltsführung in Kriegszeiten durch und sammelte Gelder, um Hilfen für Arbeitslose, Arme, Waisen und Kinder zu organisieren.[1] Die Zusammenarbeit mit bürgerlichen Frauen war für Zepler mehr als nur aus der Not des Kriegs heraus geboren. Sie sah darin die Chance, auf Grundlage der den Klassen gemeinsamen Kriegserfahrung, die Gleichberechtigung der Geschlechter voranzubringen. Im Gegensatz zu anderen Sozialdemokratinnen wie Rosa Luxemburg, Clara Zetkin oder Luise Zietz betrachtete die dem rechten Parteiflügel zuzurechnende Gattin eines Berliner Frauenarztes den Krieg als »praktische Schule des Sozialismus« und erhoffte sich vom Schrecken einen fruchtbaren Impuls für die Zukunft der Nation:

»Es sah freilich in diesen Tagen so aus, als sei gerade umgekehrt für das Leben der Frauen alles modernere Denken wieder ausgelöscht, als kehre man von neuem zu den ursprünglichen Zeiten zurück, in denen der Mann als kriegerischer Held die Fluren des Landes verteidigte, die Frau seine Wunden verband und Haus und Familie besorgte. […] Die historische Aufgabe des weiblichen Geschlechts allein sollte die gleiche bleiben wie vor Tausenden von Jahren, während die Erde ringsum sich mit erstaunlicher Raschheit verändert? Nein, schärfer als in diesen Tagen kann es den Frauen kaum ins Bewußtsein gerufen werden: Nicht mit dem edelsten Willen und der aufopferndsten Hilfsbereitschaft schafft man jetzt mit an dem Aufbau kommender Kultur; dazu bedarf es des ernsten Wissens, planmäßiger Schulung, der Beherrschung aller Arbeitssysteme auf irgendeinem Gebiet, der vollen Eingliederung in den Gesamtorganismus des öffentlichen Lebens.«[2]
Anzeige eines vom »Nationalen Frauendienst« organisierten Vortrags des Berliner Rechtsprofessors Wilhelm Karl, Mitglied der Nationalliberalen Partei, in der »Volksstimme« (Magdeburg) vom 11. November 1914.

Anzeige eines vom »Nationalen Frauendienst« organisierten Vortrags des Berliner Rechtsprofessors Wilhelm Karl, Mitglied der Nationalliberalen Partei, in der »Volksstimme« (Magdeburg) vom 11. November 1914.

[1] Vgl. Andrea Süchting-Hänger, Nationaler Frauendienst, in: Gerhard Hirschfeld/Gerd Krumeich/Irina Renz (Hrsg.), Enzyklopädie Erster Weltkrieg, Paderborn/München etc. 2003, S. 731–732.
[2] Wally Zepler, Der Krieg und die Frau, in: Sozialistische Monatshefte, 11. November 1914, S. 1184–1190, hier: S. 1188f.

Link zur Quelle: »Volksstimme« (Magdeburg) vom 11. November 1914.

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