Machtspruch in Stuttgart

Die Leitung der Redaktion der »Schwäbischen Tagwacht« wird ersetzt

Der SPD-Parteivorstand und der rechte Flügel sahen die Autorität der Parteiführung durch Zeitungen, die sich verhalten und vorsichtig weiterhin kritische Töne zum Krieg und zum Burgfrieden erlaubten, zunehmend gefährdet. Eines dieser Blätter war die in Stuttgart ansässige »Schwäbische Tagwacht«. Die Redakteure Arthur Crispien, Edwin Hoernle und Jacob Walcher vertraten dort zwischen den Zeilen ihre oppositionelle Haltung und verzichteten auf bestimmte Kriegsmeldungen. Der württembergische SPD-Landesvorstand reagierte und bestimmte am 4. November 1914 Wilhelm Keil zum Chefredakteur. Keil hatte schon vorher für die Tagwacht gearbeitet, die Redaktion aber infolge der jahrelangen Auseinandersetzungen zwischen Reformisten und linken Sozialdemokraten in Württemberg verlassen. Nun bestimmte er wieder die Inhalte.[1] Eduard David notierte dazu am 5. November in sein Tagebuch, der württembergische Landesvorstand habe »einen Staatsstreich gemacht« – »Hoffentlich halten sie es nun auch durch«.[2] Der Flügelkampf innerhalb der württembergischen SPD spitzte sich in der Folgezeit weiter zu. Die Gegner des Burgfriedenskurses sammelten sich in separaten Ortsvereinen und gründeten 1915 ein eigenes Parteiorgan.4.11. Machtspruch in Stuttgart_Lübecker Volksbote 10.11._Sozialdemokratie1914

Bericht des »Lübecker Volksboten« vom 10. November 1914 zu den Parteistreitigkeiten in Stuttgart.

Bericht des »Lübecker Volksboten« vom 10. November 1914 zu den Parteistreitigkeiten in Stuttgart.

[1] Vgl. den Eintrag zum 4. November 1914, in: Franz Osterroth/Dieter Schuster, Chronik der deutschen Sozialdemokratie. Electronic ed., Bd. 1: Bis zum Ende des Ersten Weltkrieges, Bonn 2001 und die Kurzbiografie von Wilhelm Keil im Bestandskatalog des Archivs der sozialen Demokratie der Friedrich-Ebert-Stiftung.
[2] Das Kriegstagebuch des Reichstagsabgeordneten Eduard David 1914 bis 1918, bearb. v. Susanne Miller (= Quellen zur Geschichte des Parlamentarismus und der politischen Parteien. Erste Reihe: Von der konstitutionellen Monarchie zur parlamentarischen Republik, hrsg. v. Werner Conze u. Erich Matthias, Bd. 4), Düsseldorf 1966, S. 62.

Link zur Quelle: »Lübecker Volksbote« vom 10. November 1914.

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