Profite durch den Krieg

Hermann Molkenbuhr kritisiert Preistreibereien bei Lebensmitteln

Vor Kriegsbeginn importierte das Deutsche Reich etwa 30 % seines Nahrungsmittelbedarfs, insbesondere Futtermittel und tierische Fette. Nun galt es, die Ernährungslage der Bevölkerung im Krieg durch politische Maßnahmen abzusichern. Um Spekulationen einzudämmen, wurden auf lokaler Ebene Höchstpreise festgesetzt. Da dies aber unkoordiniert und jeweils nur für einzelne Lebensmittel erfolgte, orientierten sich die Produzenten an den Sektoren, in denen die Preisgestaltung am meisten Profite versprach.[1] Die Folge war ein enormer Preisanstieg.

Schon im August 1914 hatten der SPD-Parteivorstand und die Generalkommission der Gewerkschaften Deutschlands dem Reichsamt des Innern Maßnahmen zur Sicherung der Ernährung vorgeschlagen, die jedoch nicht umgesetzt wurden. SPD-Fraktionsvorsitzender Hermann Molkenbuhr bemängelte das halbherzige Vorgehen. Nachdem er sich in seinen Tagebuchaufzeichnungen zum 1. November 1914 über die immensen Höchstpreise für Getreide ausgelassen hatte, hielt Molkenbuhr summierend fest, dass ein anderes Gebaren gegebenenfalls auch friedensfördernde Wirkung haben könnte:

»Als oberster Grundsatz bei Bemessung der durch Gesetz festzusetzenden Preise sollte gelten: Der Krieg darf nicht ein gewinnbringendes Ereignis sein. Wie kann man von den Massen die Opfer des Krieges fordern, wenn andere sich durch den Krieg bereichern, also die Opfer der Massen erhöhen? Für viele Offiziere, Lieferanten und sonstige Geschäftsleute ist der Krieg ein profitables Geschäft. Man müßte Einrichtungen treffen, daß die Verluste gleichmäßig verteilt werden, also daß keiner gewinnt, dann würde die Friedensneigung bald allgemein werden, wodurch auch der Weg zum Friedensschluß gefunden würde.«[2]
Meldung des Magistrats der Stadt Breslau zur Festsetzung von Höchstpreisen für Schweineschmalz und Angaben zu den Höchstpreisen für den Kleinhandel aus der »Volkswacht« für Schlesien, Posen und die Nachbargebiete vom 11. November 1914.

Meldung des Magistrats der Stadt Breslau zur Festsetzung von Höchstpreisen für Schweineschmalz und Angaben zu den Höchstpreisen für den Kleinhandel aus der »Volkswacht« für Schlesien, Posen und die Nachbargebiete vom 11. November 1914.

Da es an Fleisch und Getreide mangelte, griff man auf Obst und Gemüse zurück – gern als Konserve. Anzeige aus der »Volksstimme« (Magdeburg) vom 4. November 1914.

Da es an Fleisch und Getreide mangelte, griff man auf Obst und Gemüse zurück – gern als Konserve. Anzeige aus der »Volksstimme« (Magdeburg) vom 4. November 1914.

Anzeige für »billige Butter« in Kriegszeiten aus der »Volksstimme« (Magdeburg) vom 3. November 1914.

Anzeige für »billige Butter« in Kriegszeiten aus der »Volksstimme« (Magdeburg) vom 3. November 1914.

[1] Vgl. Gustavo Corni, Ernährung, in: Gerhard Hirschfeld/Gerd Krumeich/Irina Renz (Hrsg.), Enzyklopädie Erster Weltkrieg, Paderborn/München etc. 2003, S. 461–464, hier: S. 461.
[2] Bernd Braun/Joachim Eichler (Hrsg.), Arbeiterführer – Parlamentarier – Parteiveteran. Die Tagebücher des Sozialdemokraten Hermann Molkenbuhr 1905 bis 1927, München 2000, S. 233f.

Links zu den Quellen: »Volkswacht« für Schlesien, Posen und die Nachbargebiete vom 11. November 1914, »Volksstimme« (Magdeburg) vom 3. November 1914 und vom 4. November 1914.

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