»Der preussische Partikularismus und die deutsche Sozialdemokratie«

Eduard Bernstein kritisiert in den »Sozialistischen Monatsheften« die preußische Vormachtstellung im Reich

Eduard Bernstein, ca. 1919.

Eduard Bernstein, ca. 1919. Quelle: Archiv der sozialen Demokratie der Friedrich-Ebert-Stiftung.

Das politische System des Kaiserreichs zeichnete sich durch eine Vormachtstellung Preußens innerhalb des Reichs aus. Wie Eduard Bernstein in den »Sozialistischen Monatsheften« verdeutlichte, lebten drei Fünftel aller Staatsbürger in Preußen und stellten auch etwa drei Fünftel der Reichstagsabgeordneten. Während im Reich jeder männliche Bürger mit vollendetem 25. Lebensjahr wählen dürfte, galt in Preußen weiterhin das Dreiklassenwahlrecht. Das Preußische Herrenhaus war vom Adel und Großgrundbesitzern dominiert. Auf diese Missstände machte die SPD wiederholt aufmerksam. Bernstein, der schon zur Jahrhundertwende die Revisionismusdebatte innerhalb der Sozialdemokratie ausgelöst hatte, befürwortete eine Anpassung der marxistischen Theorie an die realen Begebenheiten, hin zu einem in und durch Demokratie verwirklichten Sozialismus.[1] Insofern war es für Bernstein elementar, den Parlamentarismus weiter voranzubringen und den preußischen Partikularismus zu beenden.

Link zur Quelle: »Sozialistische Monatshefte« vom 12. Februar 1914, S. 152–158.

Mehr zu Eduard Bernstein: Teresa Löwe, Der Politiker Eduard Bernstein. Eine Untersuchung zu seinem politischen Wirken in der Frühphase der Weimarer Republik (1918-1924), Bonn 2000.

[1] Vgl. zum Revisionismusstreit etwa: Heinrich August Winkler, Der lange Weg nach Westen. Deutsche Geschichte 1806–1933, Bonn 2002, S. 288ff.

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